Erlebnisbericht Nava Disa
von Patricia W. (ehemalige Tai Chi Schülerin von Gitta Fineiß)
Eine simple Idee soll mein Leben verändern?!
Geplagt von schlaflosen Nächten der vergangenen zwei Projektjahre, war ich auf der Suche nach Mitteln oder Wegen, die meinen unruhigen Geist still stellen können. Vom Erlebnisbericht und Rat meiner ehemaligen Tai Chi Lehrerin direkt begeistert, buchte ich zwei Wochen Retreat im Nordosten Thailands. Auf einen wirklich winzigen Provinzflughafen angekommen, erwartete mich Master Han Shan persönlich. Lediglich aus seinem Bestseller „Wer loslässt hat zwei Hände frei" kannte ich seinen beeindruckenden Weg vom Manager zum Mönch. Die Sympathie des Buches wirkte auch direkt beim ersten „Beschnuppern" auf mich. Die Ankunft in seinem Paradies Namens „Nava Disa" war überwältigend!!!! Herrliche Natur und darin eingebettet zahlreiche spirituelle Stätten, die zum besinnen einladen. Ich hatte mich bei meiner Anfrage gegen eine ganz einfache Waldkutti entschieden, da ich nicht wusste welche Behausungen ich auf meinem Trip durch Asien ertragen muss. Demnach bezog ich einen tollen Bungalow, eingebettet in eine unvergleichliche Pflanzenwelt. Mit einem Gecko als Haustier angefangen, fühlte sich zum Ende eine ganze Familie bei mir wohl.
Der Tagesablauf versprach viel viel viel viel Ruhe:
7 Uhr Morgenchanting und Meditation.
8 Uhr das beste Frühstück von den beiden Mädels Lek und Toh. (Die Mädchen sind über 40 Jahre und Zwillinge aus Bangkok. Internationale Sterneköche, die Nava Disa mit ihrem freundlichen und zurückhaltenden Wesen einen einzigartigen Charme verleihen)
12:30 Uhr Mittagessen, abwechselnd sehr sehr gute Thai und Europäische Küche.
Zwischen den beiden einzigen Mahlzeiten durfte sich jeder selbst beschäftigen. Meistens habe ich einfach die Zeit genutzt und geschlafen.
20 Uhr Abendchanting und Meditation.
21 Uhr Power-Drink und geselliges Beisammensein.
Nachdem die Gruppe nach vier Tagen auf fünf Personen angewachsen war, fand ein reger Austausch statt. Jeder mit anderen Absichten angereist, fanden wir mit Han Shan einen gemeinsamen Nenner. Ich dachte immer man müsste das Leben genusssüchtig und ehrgeizig zelebrieren, aber hey da gibt es doch noch etwas Anderes!!
Der erste Kontakt mit der Lehre Buddhas und den vielen Erkenntnissen des Masters haben meine Weltanschauung ganz schön wach gerüttelt. Der erste Schritt ist getan und ich bin gespannt auf kommende Erfahrungen!!
Nachdem ich mich langsam daran gewöhnt hatte meinen Tagesablauf bis auf die wenigen „Verpflichtungen" wirklich mal selbst zu gestalten, sind wir hinaus in die Umgebung gefahren. Den einen Tag haben wir die größten Tempel der Region besucht und dabei viel über das Leben der Mönche erfahren. Dann durfte ich erneut den Mekong begrüßen und mein geliebtes Laos und seine genialen Berge wenigstens von weitem winken. Wir haben Schildkröten gerettet, den Indochinamarket besucht, den Mönchen am Morgen „Almosen" ins Dorf gebracht. Da wir etwas zu spät dran waren, sind wir auch in den Dorftempel gefahren und haben der Morgenzeremonie beigewohnt. Da das Retreat zum Glück fernab von jeglichen Tourismus im ursprünglichen Thailand liegt, waren wir natürlich eine riesige Attraktion. Wir kamen mit unseren Gaben in die Sala (offenes Gebäude, wo am Morgen gegessen und meditiert wird), setzten wir uns mit stauenden Blicken hinter die Dorfbewohner. Keine zwei Minuten später wurden Bambusmatten direkt vor die erhobenen Mönche ausgebreitet und wir wurden gebeten darauf Platz zu nehmen. Ich muss sicher nicht bekräftigen, dass sich während des gesamten Chantings meine Gänsehaut nicht gelegt hatte – WAHNSINN.
Ich konnte noch nie etwas den christlichen Ausprägungen abgewinnen und bin froh, dass mich meine Familie ohne Religion aufgezogen hat, denn sonst wäre ich nach diesen zweiwöchigen Erlebnissen ganz schön erschüttert. Es wird sicher noch etwas dauern, bis ich das Mitgegebene richtig begreifen kann, jedoch was mir jetzt schon nützt, ist die Meditation! Nach 14 Tagen ohne Telefon, Internet, Zigaretten, Alkohol und dem Wissen, dass auch zwei Mahlzeiten am Tag völlig ausreichend sind, konnte ich nur wirklich sehr sehr schwer Abschied nehmen. Ich wäre gerne noch viel länger geblieben, um den magischen Ort zu genießen. Aber was soll's, jetzt liege ich bereits wieder in einer Hängematte unter meinem Baumhaus auf der Insel am Strand in meinem kleinen Paradies. Langsam heißt es auch Abschied zu nehmen von dem Gedanken auf Reisen zu sein. Ich kann noch gar nicht richtig begreifen, dass meine 7 Wochen Asien in 4 Tagen ein Stück Lebensgeschichte sind?????????????
Ich hasse Abschiede...


