Erlebnisbericht Nava Disa
von Gitta Fineiß
Nava Disa – sehr fern schien dieser Ort, als mich Master Han Shan das erstemal einlud, ihn doch dort zu besuchen.
Ich habe Han Shan auf einem Unternehmertreffen kennengelernt – mehr als zufällig nur. Die Folge war allerdings, daß Han Shan unserem Drachenzentrum eine Energiefeldreinigung angedeihen ließ und mehrere Vorträge hielt und das auch noch mehrmals im Jahr. Und er hat mich wieder und wieder eingeladen.
Geht nicht – kein Geld, keine Zeit – waren die vermeintlichen Hinderungsgründe. Und dann gabs doch eine Gelegenheit – über Weihnachten und den Jahreswechsel 2009/2010 die 3 Wochen Auszeit zu nehmen. Auszeit vom Weihnachtsstreß, Auszeit von Vorbereitungen, Auszeit von Geschenken, Auszeit von familiären Verpflichtungen oder von dem, was andere dafür halten etc.
Han Shan hat in den Unterweisungen, in den Vorträgen, die ich bisher hörte und erleben durfte in mir einen Samen gelegt und ich spüre ihn langsam keimen. Der Same, aus dem Gedanken- und Gefühlskarussell auszusteigen, WISSEN zu erlangen wo andere immer noch GLAUBEN zu wissen.
Meditation habe ich vorher schon praktiziert, verschiedenste Techniken und verschiedenen Schulen, aber die Vipassana Meditation war (und ist) für mich der verborgene Schlüssel zu all den Erkenntnissen, von denen andere lauthals reden und die ich aber in mir selbst erfahren wollte.
Nava Disa also – der Flug war anstrengend, die Anreise über Udon Thani ebenfalls, erst am zweiten Tag war ich wieder aufnahmefähig. Immerhin war ich das erste Mal sooo weit weg von zu Hause, und das noch sooo lange.
Nava Disa im Dezember, das heißt Trockenzeit – eigentlich 3 Monate oder länger keinen Tropfen Regen, aber angenehme Temperaturen um die 30° (es waren auch schon mal 39° oder auch ‚nur‘ 26°), das heißt auch beginnender Blätterfall, braune Fluren, abgeerntete und brach liegende Reisfelder.
Inmitten dieser Dürre glänzt nun Nava Disa wie ein Rohdiamant - mit seinen Blumen und Blüten, die wohl in jeder Jahreszeit ein buntes Gewand für diesen malerischen Ort sind. Die Bewässerung machts möglich, daß hier auch die verschiedensten Pflanzen gedeihen – wir hatten das außerordentliche Glück, frisch geerntete Papayas zu kosten. Kokosplamen und Bananenstauden ebenso wie Zitrusbäumchen und Dragonfruit runden das Bild ab.
Nava Disa ist ein Ort symbolträchtiger Gestaltung – 8-eckige Bauweisen, das Bagua mit den 8 Trigrammen ebenso wie das Erleuchtungszeichen Buddhas, die 4 edlen Wahrheiten aus der Lehre des Buddha ebenso wie der edle 8fache Pfad in symbolischen Darstellungen an Fenstern oder im Gelände.
Wasser spielt auf Nava Disa eine zentrale Rolle. Nicht nur die 3 Teiche, die Han Shan angelegt hat – mit Lotosblumen, mit Kois, mit einem Kuan Yin Pavillon, mit einer Insel nebst Hängebrücke – sondern auch unzählige Wasserspiele bereichern das Gelände – wasserspeiende Nagas, das Auge des Drachen mit einer Wasserfontäne, der Wassergraben in und um die Meditationshalle herum, der Wasserfall hinter der Buddhastatue darin und zu guter Letzt natürlich auch der wunderschöne Muschelbrunnen (aus Riesenmuscheln fließt Wasser einen angelegten Hügel hinab) – Ort der Energiefeldreinigung.
Und dann natürlich der Buddha – als goldene Riesenfigur in der Meditationshalle, als Luong Phor Ong Saen im Pavillon oder als Steinskulptur im Außengelände oder in jedem Bungalow als Wächter – erinnert er überall daran, welche Chance man auf Nava Disa hat. Ihm zur Seite steht nicht selten die Kuan Yin, jene in Asien besonders hoch verehrte Bodhisattva der Barmherzigkeit, die jedem ernsthaft Suchenden den Weg zur vollkommenen Freiheit ebnen hilft.
Natürlich ist Nava Disa auch tief verwurzelt mit der Tradition der Thailänder – und sicher auch aus diesem Grund findet man überall auf dem Gelände, in den Wohnräumen die NAGAs – jene Schutzwesen aus anderen Dimensionen, die bei uns als Drachen bezeichnet würden und nahezu überall in Thailand an Wohn- und öffentlichen Gebäuden zu finden sind.
Das Gelände Nava Disas ist von einer Größe, die es einem erlaubt, selbst bei Vollbelegung einen Platz für sich allein zu finden – denn überall gibt es Sitzmöglichkeiten, Schattenplätze und Pavillons zum Verweilen.
Die Unterbringung erfolgt in einer Art Bungalows mit gehobenem Standard – Klimaanlage, Dusche, WC sowie eine Kleinküche gehören dazu, genauso wie ganz ‚normale‘ Betten. Wer mag kann sich ein Moskitozelt geben lassen und draußen schlafen oder eine Hütte mieten, ähnlich der die Han Shan selbst benutzt – Stelzenbau, mit Moskitogaze rundrum und die Wetterseite gemauert, eine dünne Matte als Unterlage.
Der streßgeplagte Besucher muß sich also nicht in mühsamer Eingewöhnungszeit an asketische Bedingungen eines Klosters gewöhnen, sondern kann sich – so er mag – sofort seiner Innenschau widmen.
Fast selbstverständlich mutet die Anwesenheit und das nahezu unsichtbare Tun von Lek und Toh an, der beiden Köchinnen, Haushälterinnen, Wäscherinnen, Gärtnerinnen, Bäckerinnen, Einkäuferinnen, Übersetzerinnen, Chauffeurinnen. Beide kamen mir wie Engel vor, die jedem Gast die Wünsche von den Augen ablesen und dafür sorgen, daß sich jeder wohl fühlt. Ihre Arbeit verrichteten sie still und mit einer Würde, die man im Dienstleistungsbetrieb Deutschlands fast nirgends mehr findet. Sie waren für mich ein Abbild von Hingabe an ihre Aufgabe und Würde im Tun, daß selbst sogenannte niedere Tätigkeiten von Anmut und Schönheit begleitet waren. Ein Beispiel für die vielen EuropäerInnen, die mißmutig und gestreßt sich über ihr Dasein beklagen. Überhaupt habe ich in Thailand viel weniger Mißmut und Übellaunigkeit erlebt, wie in Deutschland. Die Menschen, die in unserem Sinne wirklich arm sind, haben eine innere Freude und auch ein Miteinander und gegenseitige Rücksichtnahme auch ohne Verordnungen.
Hier ist ein Wort anzufügen über die Begleitung durch Master Han Shan.
Sein Konzept basiert darauf, daß jeder selbst einschätzen kann und darf, wann und ob er Anleitung oder Führung wünscht. Meditation gehört zwar zum Tagesablauf und die Teilnahme ist erwünscht, aber wenn man nicht kommt, wird einem auch nicht der Kopf abgerissen. Jeder entscheidet selbst. Und wer sich auf den Weg der Suche begibt, der hat in Master Han Shan einen wissenden, geduldigen und zurückhaltenden Lehrer. Aber – die Unterweisung und die Lehre muß eingefordert werden, Han Shan drängt sich und sein Wissen niemals auf, noch ist er allzu überschwenglich in den Unterweisungen. Wer Frontalunterricht sucht oder Gruppen-Strukturen, ist hier fehl am Platze. Eigenverantwortung und –disziplin sind gefragt, wenn man sich seiner ENTwicklung widmen möchte. Wer dies an den Tag legt. Der findet in Han Shan allemal den weisen Lehrer und Verkünder der Lehre des Buddha.
Han Shan lädt von Zeit zu Zeit die Besucher ein, sich sehenswerte Tempel oder Plätze in der Umgebung anzusehen und organisiert dann so eine Art ‚Familienausflug‘ für alle, die das möchten. Ganz besondere Erlebnisse sind das auf jeden Fall – besonders beeindruckt hat mich persönlich der Mekong-Fluß, der in seiner Größe fasziniert und auch in der Stimmung, die mich jedes Mal an seinem Ufer umfangen hat und der Nong Hanh See mit dessen Insel Don Savan. Unzählige Geschichten und Legenden weiß Han Shan zu berichten – aus Thailand, von den Nagas, über Nava Disa und und und
Resümee: Shopping-Touren, endloses Sightseeing, Diskussionsrunden mit endlosen Palavern lagen nicht in meinem Interesse. Für mich ist der Aufenthalt in Nava Disa DIE Möglichkeit gewesen, meine eigene Meditationspraxis zu üben, mich mit meinen widerstreitenden Gefühlen, dem Gedankenkarussell und den üblichen Schwierigkeiten auseinanderzusetzen und auch mal sitzen zu bleiben! Ich habe mich dort, wie nirgendwo vorher zurückziehen können. Ich habe die Ruhe gefunden, die mir in meinem Alltag oft fehlt, obwohl ich das außerordentliche Glück habe, einem Beruf nachzugehen, der mich ausfüllt und mir Freude macht und obendrein noch an einem wirklich stillen und ruhigen Ort auf dem Land zu wohnen. Die alltäglichen Sachzwänge hindern mich nicht selten daran, an meiner Praxis WIRKLICH dranzubleiben.
DAS wirkt nach, davon zehre ich noch heute! Der Same beginnt aufzugehen, zwar zögerlich noch, aber er keimt – und dafür sei Han Shan Dank gesagt (auch) an dieser Stelle!
Nava Disa – die Neun Richtungen!
Mögen an diesem Ort alle Wesen willkommen sein und ihren Platz finden, mögen Mißgunst, Neid, Haß und Zorn fernbleiben und Freude, Mitgefühl und Gleichmut hier ihren ständigen Wohnsitz haben, mögen die guten Energien der neun Richtungen auch weiterhin diesem Platz seinen Zauber verleihen.
G.F.



